Dr.
Leopold Ungar

Priester, Leiter der Caritas der Erzdiözese Wien

* 1912   † 1992

 

Herkunft, Schulzeit, Beschäftigung mit christlich geprägten Schriften, Studium und Promotion

Leopold Ungar wurde am 8. August 1912 Wiener Neustadt geboren. Er entstammte einer wohlhabenden jüdischen Familie. Sein Vater war Handelsunternehmer, seine Mutter stammte aus Ungarn. Während seiner Schulzeit stieß er auf die Schriften von Karl Kraus, die ihn nachhaltig prägten. Er setzte sich auch intensiv mit Thomas von Aquin und dem französischen Reformtheologen Jacques Maritain sowie den Texten der katholischen Soziallehre auseinander, somit also mit christlich geprägten literarischen und philosophischen Schriften. Nach der Matura studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Wien und wurde 1935 zum Dr. jur. promoviert.

Konvertierung zur katholischen Kirche, Priesterseminar, Flucht und Rückkehr nach Wien

Am 8. April 1935 – auf den Tag genau 24 Jahre nach Karl Kraus – konvertierte er in der Taufe zur katholischen Kirche. Wenige Monate später trat er in das Wiener Priesterseminar ein. Wegen seiner jüdischen Abstammung musste er 1938 nach Frankreich fliehen. 1939 wurde er in Paris zum Priester geweiht.

Als Hitler Frankreich besetzte, musste Leopold Ungar wiederum fliehen, diesmal nach England. Er überdauerte den Krieg als Seelsorger in einem Lager für deutsche Kriegsgefangene. Im September 1947 kehrte Leopold Ungar nach Wien zurück.

Insgesamt 38 Jahre Direktor der Caritas

Nach dem Krieg suchte der damalige Prälat und spätere Weihbischof Jakob Weinbacher dringend einen sprachgewandten Priester, der die Administration der alliierten Hilfslieferungen für das hungernde Wien durchführen könnte. Die Wahl fiel auf Leopold Ungar, damals Kaplan von St. Elisabeth in Wien-Wieden.

1950 wurde der damals 38-jährige von Kardinal Theodor Innitzer zum Direktor der Caritas der Erzdiözese Wien ernannt. Er startete zahlreiche neue Projekte wie die SOS-Aktion für akute Notfälle, Obdachlosen- und Randgruppenbetreuung sowie Auslandshilfe, arrangierte in der Nachkriegszeit Auslandsaufenthalte für bedürftige Wiener Kinder und schaffte es immer wieder, erhebliche Mittel für soziale Projekte aufzutreiben. International viel beachtet wurde die große Caritas-Aktion für Flüchtlinge nach dem ungarischen Volksaufstand 1956.

Leopold Ungar blieb insgesamt 38 Jahre lang Direktor der Caritas. Am 1. Dezember 1988 gab er die Leitung an Helmut Schüller ab. Von 1964 bis 1991 war er Präses der Caritas Österreich.

Ruf weit über die katholische Kirche hinaus, Gründung eines Kulturzentrums

Sein bedingungsloses Eintreten für Not leidende Menschen im In- und Ausland verliehen dem Caritas-Direktor als "unbequemem Mahner" einen weit über die katholische Kirche hinausgehenden Ruf. Auf kulturellem Gebiet suchte er den Dialog zwischen Kirche und Künstlerinnen wie Künstlern. Er pflegte Freund- und Bekanntschaften etwa zu Elias Canetti, Heimito von Doderer, Thomas Bernhard oder Erika Mitterer. Mit Friedrich Heer gründete er ein Kulturzentrum in der Annagasse.

1953 wurde Leopold Ungar zum Monsignore und 1963 zum Prälaten ernannt. Er besaß eine Privatbibliothek im Umfang von ca. 3000 Büchern.

Buchveröffentlichung "Die Weltanschauung Gottes"

Anfang 1987 kam es zur Veröffentlichung seiner in Form von Interviews gestalteten Publikation "Die Weltanschauung Gottes". Ungar äußerte sich zu verschiedenen Themen wie Alter, Frieden, Antisemitismus, Sozialdemokratie oder Karl Kraus.  

Tod

Nach langer schwerer Krankheit starb Prälat Leopold Ungar am 30. April 1992 in Wien.

Platzbenennung

2014 wurde der Leopold-Ungar-Platz in Wien Döbling nach ihm benannt.

Prälat-Leopold-Ungar-JournalistInnenpreis

Der Prälat-Leopold-Ungar-JournalistInnenpreis ist einer der höchstdotierten österreichischen Journalistenpreise. Seit 2004 wird der Prälat Leopold Ungar Medienpreis jedes Jahr für journalistische Leistungen von der Caritas der Erzdiözese Wien und der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien vergeben. Preisträger/innen waren beispielsweise Barbara Stöckl (2007), Kurt Langbein (2011) und Mirjam Unger (2015).

Das Grab auf dem Kahlenberger Friedhof

Weblinks

Wir erinnern uns

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